Was ist Kindermusik? 

Diese Frage stellt sich spätestens, wenn man sieht, wie unterschiedlich die Angebote an Musik für Kinder sind.

Was verbindet alle diese Lieder? Ist es eine bestimmte Art der Komposition, ein eigenes Genre? Eher nicht.

Musikalisch ist die Kindermusik so breit aufgestellt wie das Spektrum der Erwachsenenmusik. Von Klassik bis Hardrock, von Singer/Songwriter bis HipHop ist alles vertreten. Auch gibt es manche Stücke als Kinderlied und als Erwachsenenlied. Man schaue nur auf „Das rote Pferd“. 

Damit wären wir beim Text.

Liegt es an ihm, ob sich ein Lied der Kindermusik zurechnet? Das klingt zunächst plausibel. Aber welche Textqualitäten braucht es für Kindermusik? Ich habe das mal gegoogelt und bin auf eine Übersetzung aus einem englischen Wikipedia-Eintrag zu „kid´s music“ gestoßen.

Hier wird versucht, eine Definition zu dem Begriff zu geben:

„Kindermusik ist Musik, die für Kinder komponiert und aufgeführt wird. In europäisch beeinflussten Kontexten bedeutet dies Musik, in der Regel Lieder, die speziell für ein jugendliches Publikum geschrieben wurden. Die Komponisten sind in der Regel Erwachsene. Kindermusik hat historisch sowohl eine unterhaltende wie auch lehrende Funktion. Kindermusik ist oft so gestaltet, dass sie auf unterhaltsame Weise Lerninhalte zur eigenen Kultur, fremden Kulturen, gutem Verhalten, Fakten oder Fähigkeiten vermittelt.“ 

https://en.m.wikipedia.org/wiki/Children’s_music

Hm, ok. Das mit den Lerninhalten kann ich nachvollziehen.

Aber was ist mit den ganzen Quatschliedern? Diese Nonsens-Songs, die einfach nur lustig sind? Ist das dann keine Kindermusik?Ich denke doch. Gerade diese bedingungslose Freude an Quatsch macht doch einen großen Teil des kindlichen Gemüts aus. Genau dieses Interesse an Unmöglichem, Irrsinnigem ist doch so faszinierend. Oder übersehe ich hiermit, dass durch Absurditäten doch das erreicht wird, was bei Wikipedia steht? Dass Fakten und Verhaltensweisen durch völliges Verdrehen gelehrt werden? Kann auch sein.

Ich lasse das mal so stehen und bin dem eher positiv gesinnt.

Aber was ist mit reiner Instrumentalmusik? Kann das Kindermusik sein? Als Beispiel wird aus dem Schulunterricht gerne „Peter und der Wolf“ von Sergej Prokofjew genannt. Prokofjew erhielt 1936 den Auftrag, ein musikalisches Märchen für Kinder zu schreiben. Dieses sollte die Funktion haben, Kindern die Instrumente eines Orchesters vorzustellen. Aha! Hier wird also explizit darauf verwiesen, dass es einen Erziehungsansatz gibt! Passt also auch zu Wikipedia. 

Was ist also das verbindende Merkmal für Kindermusik? 

Meiner Meinung nach ist es die Intention, mit der ein Stück geschrieben und aufgeführt wird.

Soll es Kinder in irgendeiner Form erreichen und berühren? Dann ist es Kindermusik.

Ist es mit dem Gedanken an die Kinder geschrieben? Dann ist es Kindermusik.

Hat es mit dem Publikum zu tun? Nicht zwingend.  

Und genau dort liegt die Chance. Kindermusik muss nicht chartstauglich sein, muss nicht alle erreichen. So unterschiedlich die Menschen sind, soll es auch die Musik sein. Und wenn ein bestimmtes Lied nur ein einziges Kind erreicht, hat es schon einen Beitrag geleistet.

In diesem Sinne: Ich finde es toll und schätzenswert, dass es so viel unterschiedliche Kindermusik gibt!


Wie seht ihr das? Was macht für Euch Kindermusik aus? Bitte kommentiert, wenn Euch etwas einfällt.


Jens-Henning Gläsker

Jens-Henning ist Musiker und Musiklehrer, Verleger, Studioinhaber und Labelchef. Er wandert gern durch die Welt als Ausgleich zum "Vordemrechnersitzen". Zudem ist er Yogalehrer und praktizierender Nichtraucher.

0 Comments

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

preloader